Davon ab, ist die Auswahl an Trolleys - klingt doch bereits nach Troll - schier riesig , dass ich schnell genervt war vom Begucken dieser Dinger.
Also Plan B. Rauf aufs Rad. Dort entlang, wo die Ampel Grün zeigt. Nicht anhalten. Immer weiterradeln. Stopp.
Bodos Bootssteg. Um genau zu sein: Bodo's Bootssteg... Was hatten wir da für Spaß. Im Seminar der Akademie. Allein. Mit unseren Küssen.
Und nun: Steht keiner der schweren Holzstühle mehr auf den Bohlen. Kein Kaffeegeschwätz mischt sich mehr unter die Entenworte. Und kein Bodo verleiht ein Tretboot an zwei kleine Jungs, die ihre Mutter stolz über die Alster chauffieren. Herbst.
Ein milder aber. Im Grindelhof sitzen die Menschen draußen. Vor dem kleinen portugiesischen Restaurant. Mmmmmmmmmh - diese Pastéis de Belém.... köstlich. Aber ich radele weiter. Und lande hier.
Und habe HUNGER. Und Durst. Nach der Tour durch die Großstadtluft. Doch erst muss ich mich umsehen. Vor etwa einem Jahr hat das jüdische Café im Grindelhof 59 eröffnet. In einem Viertel, das einst so lebendig jüdisch war. Gunter Demnigs Stolpersteine sind hier so häufig, dass sie auch jedem Hans-guck-in-die-Luft auffallen. Am Nachbartisch sitzt eine Frau. Anfang siebzig. Das weißgraue Haar streng im Pagenschnitt in Form gehalten. Am Mittelfinger der rechten Hand einen Goldring. Geschmückt von einem braunen Stein. Vor sich eine Tasse Kaffee. Und einen jungen Mann. Ende zwanzig oder Anfang dreißig. Kommilitonen sind sie. Die Uni Hamburg nur ein paar Meter entfernt. Unterhalten sich über jüdische Literatur. Der jüngere distanzierter. Die Alte beinahe erregt. Von KZ, Vertrieben werden. Von Deportation.
Dann ist der Hunger wieder da. Und die Karte lässt keinen Zweifel daran, dass ich satt werde. Und sid. Wenn dies wirklich und tatsächlich das Gegenteil von durstig sein soll. Im übrigen: Vielleicht gibt es kein Antonym zu durstig, weil es das Gefühl nicht gibt, das es beschreiben soll. Lassen wir den Alkohol außen vor, mit dem es sich vortrefflich über den Durst trinken lässt, so bleibt die Frage, ob man sich übertrinken kann. Analog zu überfressen. Also bringt mir die Fritz-Cola auch nicht das sid-Gefühl. Aber sie löscht meinen Durst. Und erfreut mit ihrem gläsernen Anblick:
Und während ich mein Handy auf Fotographieren programmiere, lässt die Dame hinterm Tresen eines der ovalen, silbernen Kellnertabletts zu Boden fallen. Die Kollegin klatscht. Und ich bestelle Tchouchouka und Ziegenkäsespieße mit Oliven:
Was mir dann über den Gaumen rann... Selbst ausprobieren. Im Café Leonar. Grindelhof 59. Hamburg.
Einen Trolley habe ich noch immer nicht.
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