Freiburg. 6. Dezember 2009
Toll. Layoutvorlage geändert. Und nur noch Minischrift zur Verfügung. Muss wohl was anderes her. ...
Außerdem ist zweiter Advent. Und ich sitze in Freiburg. Ein wenig allein. Wie mir scheint... Und in seltsamer Gesellschaft:
Goethe hat im übrigen den Nikolaus vorbeigeschickt. Davon ist aber schon nichts mehr übrig...
Irgendwie bin ich nicht in Stimmung. Es folgt ein Text, der in Stimmung entstanden ist:
Wie Freiburger Mädchen und Jungs das Münster retteten
Nach dem Bombenangriff am 27. November 1944 war das Dach des Münsters beschädigt. Junge Freiburger halfen damals, dessen Einsturz zu verhindern. 65 Jahre später trafen sie sich wieder.
Kalt weht der Wind über den Münsterplatz. Gertrud Himmelsbach lehnt eine der beiden Gehhilfen an das Sandsteinportal des Münsters und schlägt den Kragen ihres schwarzen Mantels hoch. Sie wartet. Auf ihre Helden und Heldinnen. Und sie ist eine von ihnen.
Immerfort tretend
Als der Dompfarrer im November 1944 die Pfarrgemeinden ratlos um Hilfe bat, war die damals 15-jährige Gertrud zur Stelle. Um ein Dach zu decken. Das nach dem Bombenangriff der Briten zerstörte Dach des Freiburger Münsters. "Ohne sie wäre es eingestürzt", wird Architektin Yvonne Faller später unterm Dach sagen. Und sich bedanken. Dafür, dass die 40 Mädchen und Jungen in klirrender Kälte Ziegel um Ziegel hinauf gebracht haben. In einem Hamsterrad – immerfort tretend, damit das Seil die Kisten mit den rettenden Schindeln nach oben zieht. Wird ihnen dafür danken, dass sie den Schnee vom Gewölbe geschippt haben, das unter der schweren Last einzustürzen drohte.
Dachdecker wider Willen
Gertrud Himmelsbach hat vor dem Hauptportal unterdessen jeden einzelnen begrüßt. Längst stehen die alten Damen und Herren in Gruppen – es ist ein lebendiges Wiedersehen. "Wir haben geschafft und geschunden – aber auch Freud’ gehabt." Bernhard Adler lächelt. Er ist einer der ersten, der im Aufzug die 27 Meter unters Dach nimmt. Dorthin, wo sie zu Dachdeckern wurden. Und doch auch Kinder blieben. Wo sie Fangen und Verstecken spielten. Sich vom Dachboden am Seil des Hamsterrades hinunter in die Tiefe sausen ließen. Von wo sie SA-Männer vorm Restaurant "Oberkirch" mit Schneebällen bewarfen. Es sind solche Geschichten, die sich Bernhard Adler, Gertrud Himmelsbach und die anderen erzählen.
Die Erinnerungen bewahren
Vier der Helfer von damals sind bereits tot. Und mit ihnen sterben die Erinnerungen. Weil die eigenen Enkel nicht begreifen können, wie es damals war, und vergessen, sagt Gertrud Himmelsbach. Vor 15 Jahren haben sie sich zum ersten Mal getroffen. 50 Jahre danach. Nun sollen die Abstände kürzer werden. Weil auch das Leben der Helden kürzer wird. Der Mädchen und Jungen, die später Architekten, Juristen, Beamte, Pfarrer geworden sind. Dachdecker aber wurde nicht einer.
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